Amazing Grace

Sonntag, 13. September 2020 – 12.30 bis 13.30 Uhr

Marthakirche


Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Jauchzet Gott in allen Landen BWV 51

1. Arie: Jauchzet Gott in allen Landen
2. Rezitativ: Wir beten zu dem Tempel an
3. Arie: Höchster, mache deine Güte
4. Choral: Sei Lob und Preis mit Ehren
5. Arie: Alleluja

Tamara Ivaniš – Sopran
Sebastian Berner – Trompete
Elissa Cassini – Violine
Mathilde Lauridon – Violine
Corey Worley – Viola
Andrew Briggs – Violoncello
Tae-Bun Park – Kontrabass
Ayala Rosenbaum – Cembalo


Alfred Schnittke (1934–1998)
2. Streichquartett

I. Moderato
II. Agitato
III. Mesto

IV. Moderato

Elissa Cassini – Violine
Mathilde Lauridon – Violine
Corey Worley – Viola
Andrew Briggs – Violoncello


Anon.
Amazing Grace
(Text: John Newton, 1720–1807)

Elliott Carlton Hines – Bariton


Ben Johnston (1926–2019)
Streichquartett Nr. 4 »Amazing Grace«

Elissa Cassini – Violine
Mathilde Lauridon – Violine
Corey Worley – Viola
Andrew Briggs – Violoncello

Unfassbare Gnade

In der Matinee hören wir, welchen Einfluss hymnische Musik auf die Kammermusik der drei Komponisten Johann Sebastian Bach, Alfred Schnittke und Ben Johnston hatte. Eine Besonderheit innerhalb der Gruppe von über 200 Bach-Kantaten ist das Wechselspiel im ersten und im letzten Satz der Kantate Jauchzet Gott in allen Landen BWV 51.
Alfred Schnittke hat das Material seines 2. Streichquartetts aus einer Reihe früher russischer orthodoxer Hymnen zusammengestellt, den zamennyi rospev. Das Werk wurde auch dem Stummfilm Metropolis von Fritz Lang als Soundtrack unterlegt.
Die Hymne Amazing Grace gilt als das beliebteste Kirchenlied aller christlichen Konfessionen überhaupt, aber nicht nur das: Es wurde nicht nur von beiden Parteien des amerikanischen Bürgerkriegs gesungen, sondern galt auch als inoffizielle Nationalhymne der Cherokee Indianer. Heute ist es auch in der afroamerikanischen Gospel- und Spiritual-Szene populär, und es galt als Protestsong gegen die Sklaverei, und das obwohl ihr Textdichter, John Newton, selbst Sklavenhändler war, der, aus einer Seenot errettet, sich schließlich für die Abschaffung der Sklaverei einsetzte.
Der voriges Jahr verstorbene Komponist Ben Johnston hat über die pentatonische (fünftönige) Melodie von Amazing Grace sein 4. Streichquartett komponiert, was insofern überraschend ist, als er sich eigentlich mit der Komposition von mikrotonaler Musik einen Namen gemacht hatte. Aber auch in seinem 4. Streichquartett löst der Komponist die Pentatonik schließlich auf.

Michael Kerstan

Liedtexte

Jauchzet Gott in allen Landen BWV 51
(Johann Sebastian Bach)

1. Arie
Jauchzet Gott in allen Landen!
Was der Himmel und die Welt
An Geschöpfen in sich hält,
Müssen dessen Ruhm erhöhen,
Und wir wollen unserm Gott
Gleichfalls itzt ein Opfer bringen,
Dass er uns in Kreuz und Not
Allezeit hat beigestanden.

2. Rezitativ
Wir beten zu dem Tempel an,
Da Gottes Ehre wohnet,
Da dessen Treu,
So täglich neu,
Mit lauter Segen lohnet.
Wir preisen, was er an uns hat getan.
Muss gleich der schwache Mund von seinen Wundern lallen,
So kann ein schlechtes Lob ihm dennoch wohlgefallen.

3. Arie
Höchster, mache deine Güte
Ferner alle Morgen neu.
So soll vor die Vatertreu
Auch ein dankbares Gemüte
Durch ein frommes Leben weisen,
Dass wir deine Kinder heißen.

4. Choral
Sei Lob und Preis mit Ehren
Gott Vater, Sohn, Heiligem Geist!
Der woll in uns vermehren,
Was er uns aus Gnaden verheißt,
Dass wir ihm fest vertrauen,
Gänzlich uns lass’n auf ihn,
Von Herzen auf ihn bauen,
Dass uns’r Herz, Mut und Sinn
Ihm festiglich anhangen;
Drauf singen wir zur Stund:
Amen, wir werdn’s erlangen,
Glaub’n wir aus Herzensgrund.

5. Arie
Alleluia.


Anon.

Amazing Grace

(Text: John Newton, 1720-1807)

Amazing grace, How sweet the sound
That saved a wretch like me.
I once was lost, but now I am found,
Was blind, but now I see.

‚Twas grace that taught my heart to fear,
And grace my fears relieved.
How precious did that grace appear
The hour I first believed.

(deutsch von Michael Kerstan)

Unfassbarer Gnade süßer Klang,
die mich armen Kerl hat erlöst.
Verloren einst, gefunden jetzt,
einst blind, kann ich nun seh’n.

Gnade lehrte mein Herz die Furcht
und Gnade befreite mich von Angst.
Wie kostbar schien diese Gnade auf
im Moment, da ich zum Glauben fand.


Biografische Hinweise

Alfred Schnittke

John Newton

Ben Johnston